Universaldrillmaschine Lemken Solitair DT: Solitair kann jetzt mehr
Die Compact Solitair mit Kurzscheibenegge bekommt einen Nachfolger: die Solitair DT. Vom Tank bis zum Reifenpacker wurde die Maschine fast komplett neu entwickelt.
Mit einer überdurchschnittlichen Saatguteinbettung und -verteilung konnte Lemken in unserem großen Universaldrillmaschinen-Vergleichstest punkten (profi 1 bis 3/2020). In Kategorien wie dem Gewicht oder Leistungsbedarf sahen die Ergebnisse hingegen anders aus.
Offenbar deckten sich diese Erkenntnisse mit den Anforderungen der Praxis. Denn ab 2023 löst die neue Solitair DT (DiscTrailed) die bisherige Compact Solitair mit passiver Bodenbearbeitung ab. Sie ist leichter und bietet mehr Bedienkomfort sowie zusätzliche Arbeitsbreiten. Zunächst folgt im Jahr 2022 eine Nullserie mit 4 und 6 m und 2023 sind erste 9-m-Modelle geplant.
(Quelle: profi)
Zur Technik der neuen DT: Wünscht man eine Unterlenkerkopplung mit nach hinten versetztem Drehpunkt, muss man zukünftig immer auch den Oberlenker koppeln. Alternativ steht eine Kugel- oder Zugösenanhängung zur Wahl. Die Deichsel kann man ab Werk in zwei verschiedenen Längen bestellen. Der Schlepper muss zwei dw-Steuergeräte vorhalten: eins für das Gebläse und das zweite für alle restlichen Funktionen. Im Staufach auf der Deichsel finden die neuen Dosierrotoren sowie die serienmäßige Zugwaage ihren Platz.
Universaldrillmaschine Lemken Solitair DT: Zur Bodenbearbeitung
Beim zweireihigen Scheibenfeld gibt es nur kleine Änderungen: Neuerdings lassen sich die gezackten Hohlscheiben — oder alternativ erhältliche Wellscheiben — hinter den Schlepperrädern in der Tiefe nachjustieren. Womöglich ist dies durch eine weitere Ausstattungsoption aber gar nicht mehr notwendig. Denn alternativ zu den bekannten Scheibenspurlockerern gibt es eine neue Möglichkeit, möglichst ganzflächig flach zu arbeiten: einen optionalen, dreiteiligen Frontreifenpacker, um den Boden gleichmäßig vorzuverdichten. Alternativ können vor dem Scheibenfeld hydraulisch einstellbare Planierzinken integriert werden.
Die Hohlscheiben sind weiterhin einzeln an Blattfedern aufgehängt und im Durchmesser 465 mm groß. Die Arbeitstiefe stellt man mit Distanzclips oder hydraulisch ein.
Vor dem Scheibenfeld ist Platz für eine Planierschiene. Die gezackten Hohlscheiben können durch Wellscheiben ersetzt werden.
(Bildquelle: Tovornik)
Der Reifenpacker ist im Vergleich zur Vorgängerserie kleiner geworden. Dahinter lässt sich optional weiterhin eine reihenvorverdichtende Walze integrieren.
(Bildquelle: Tovornik)
Großes Podest
Den Tank erreicht man über einen seitlichen Laufsteg (ohne Handlauf) und ein großzügiges Podest auf der linken Seite. Sobald das Scheibenfeld einklappt, folgt das Podest automatisch — sehr gut. Eingeklappt muss man sich jedoch an die weit nach oben überstehende Brüstung gewöhnen, die dann den höchsten Punkt der Maschine vorgibt.
Wir waren mit der 4-m-Version und 3 400 l großem Tank im Feld. Daneben gibt es auch eine Zweitankausführung mit 4 100 l Volumen. Bei 6 und 9 m Arbeitsbreite fasst der Tank 4 400 oder 5 100 l in der Doppeltankversion. Dann ist der Tank im Verhältnis von 60 zu 40 % unterteilt. Zum Befüllen kann man das rechte Scheibensegment einseitig einklappen.
Schön: Zwei Füllstandsensoren lassen sich neuerdings von außen werkzeuglos verstellen, und einen Leermeldesensor gibt es außerdem. Bei der Solitair DT setzt Lemken auf eine neue „Moduldosierung“ mit einzelelektrisch angetriebenen Rotoren. Beim Fruchtartwechsel tauscht man die Rotoren werkzeuglos, wie von vielen Wettbewerbern bekannt. Weiterhin versorgt ein Dosiergerät je einen Verteilerkopf mit Saatgut, was der Querverteilung sicher zugutekommt. Durch die neuen Dosierer wird auch das Section Control jetzt besser als in unserem Vergleichstest funktionieren.
Zum Abdrehen ist hinten unter dem Tank eine Wanne geparkt, die sich bequem unter das Dosiergerät schieben lässt. Nach dem Umlegen einer Auslassklappe (ohne Sensor) kann der Abdrehvorgang starten. Aktivieren lässt er sich über das ISO-Bus-Terminal, einen Taster seitlich des Dosiergeräts oder über ein externes Terminal. In dem externen Terminal kann man anschließend direkt das gewogene Gewicht eingeben. Für Restmengen gibt es oberhalb des Dosiergeräte-Schiebers nun einen Auslass.
Bei den Verteilerköpfen kommt künftig die in der Solitair 25 erprobte Variante mit zwei Patronen zum Einsatz: Bei einer fließt das Saatgut zu jeder Säreihe, bei der anderen sind z. B. die Fahrgassenreihen verschlossen. Verstellt wird das Modul hydraulisch. Zeitgleich passt das Dosiergerät die Saatmenge an, so dass auf eine Saatgutrückführung verzichtet werden kann.
Zwei Doppelscheibenschare
Wahlweise gibt es die Doppelscheibenschare OptiDisc-M oder -H, jeweils mit Druckrolle. „M“ steht für manuell einstellbaren Schardruck (bis 45 kg) und „H“ für das hydraulische System (bis 70 kg). Die Ablagetiefe verstellt man werkzeuglos, aber leider nicht zentral. Angeboten wird die Drillmaschine mit 12,5 oder 16,7 cm Reihenweite. Vor den Säscharen gibt es optional eine reihenvorverdichtende Kunststoffwalze oder einen Einebnungsstriegel. Um Gewicht zu sparen, wurden das Trapezprofil auf 420 mm und der Wellenkern auf 160 mm verkleinert.
Die Rotoren lassen sich werkzeuglos beim Fruchtartwechsel tauschen.
(Bildquelle: Tovornik)
Die weißen Patronen werden z. B. beim Anlegen einer Fahrgasse hydraulisch verfahren.
(Bildquelle: Tovornik)
Hinter den Doppelscheibenscharen war der optionale Doppelreihenstriegel an Bord. Einen einfachen Reihenstriegel gibt es auf Wunsch.
(Bildquelle: Tovornik)
Mega-Drill heißt das Bedienkonzept, das bereits von der Solitair 25 bekannt ist.
(Bildquelle: Tovornik)
Alles Weitere in Kürze:
Bedienen lässt sich die Drillmaschine über ISO-Bus-Terminals und die übersichtliche MegaDrill-Oberfläche.
Einen Pendelausgleich der Säschiene gibt es nicht mehr, das spart Gewicht.
Die Räder vom Reifenpacker (420/55-17) sind um 15 cm kleiner geworden.
Gewichtsvergleich: Eine 6 m Solitair DT mit Trapezpackerwalze wiegt laut Hersteller in vergleichbarer Ausstattung rund 2 000 kg weniger als ein vergleichbares Vorgängermodell.
Kreiseleggen wird es weiterhin in der Baureihe Compact Solitair 9, Solitair 9 KA und Solitair 25 KA geben.
Bei Doppeltankmaschinen kann Dünger mit in der Saatreihe oder über eine separate Düngeschiene zwischen zwei Säreihen abgelegt werden.
Ab 2023 wird es einen vollintegrierten dritten Tank mit 400 l Volumen geben.
Bis 40 km/h darf man mit der vollen 4-m-Maschine auf der Straße fahren.
Auf der Straße werden die mittleren der sechs Packerräder entlastet.
Optionen: Frontpacker, Doppeltank und Reihenvorverdichtung
Vor dem Scheibenfeld kann ein optionaler Frontreifenpacker für einen gleichmäßigen Bearbeitungshorizont sorgen.
(Bildquelle: Lemken)
Die Solitair DT gibt es optional auch mit geteiltem Tank. So lässt sich wahlweise eine zweite Frucht oder Dünger zeitgleich ausbringen.
(Bildquelle: Lemken)
Vor den Doppelscheibenscharen kann auf Wunsch eine reihenvorverdichtende Walze integriert werden.
(Bildquelle: Lemken)
Fazit
Die Solitair DT wird ab 2023 teilweise das Erbe der Compact Solitair antreten. Mit neuer Dosiertechnik und weiteren Ausstattungsoptionen nähert sich Lemken verschiedenen Marktbegleitern an. Bei unserem Einsatz machte die Drille bereits einen guten Eindruck. Der vorgespannte 6155R kam spielend mit der 4 m breiten Solitär DT klar.