Die sieben- und achtfurchigen Aufsattelpflüge der Hektor-Baureihe von Vogel & Noot waren im Vergleich zu anderen Fabrikaten echte Schwergewichte. Sie fanden vor allem in Osteuropa ihre Abnehmer.
Der österreichische Landmaschinenhersteller Vogel & Noot mit seinem Stammsitz in Wartberg in der Steiermark hatte in den vergangenen dreißig Jahren eine turbulente Geschichte. Besitzerwechsel, Firmenübernahmen und -verkäufe prägten diese Zeitspanne — an deren Ende im Jahr 2016 die Insolvenz und die Auflösung dieser traditionsreichen Landtechnikfirma standen.
Aufbruchstimmung vor 30 Jahren
Ziel einer Neuausrichtung des Unternehmens in den frühen 1990er Jahren war es, ein Fullliner im Bereich Bodenbearbeitung, Sä- und Pflanzenschutztechnik zu werden. Man wollte im Wettbewerb mit den anderen namhaften Herstellern wie z. B. Amazone, Lemken, Kverneland, Kuhn, Pöttinger und Rabe mitspielen.
Ein wesentlicher Schritt war dabei, die Bodenbearbeitungsparte zu modernisieren. Dazu zählte 1992 die Inbetriebnahme eines neuen Werks in Mosonmagyaróvár (Ungarn). Fünf Jahre später übernahm Vogel & Noot die Sparte Bodenbearbeitung von Niemeyer. Das erwies sich jedoch nicht als tragfähig, und so endete diese Episode bereits im Jahr 2003.
Gleichwohl baute Vogel & Noot nach und nach ein neues Pflugprogramm auf. Als Monorad-Aufsattelpflug wurde die Baureihe Hektor entwickelt, die in der achtfurchigen Ausführung eine Arbeitsbreite von bis zu 3,84 m erreichte.
Ein hohes Gewicht muss nicht zugleich hohe Stabilität bedeuten. Wenn das Gewicht, wie beim Hektor, in der achtfurchigen Ausführung knapp 6 000 kg beträgt, dann kommen die Belastungen von Aufsattelrad und Schlepperachse an ihre Grenzen.
Im Vergleichstest (profi 5 und 6/2014) mit vier Wettbewerbern war der Hektor der deutlich schwerste Pflug, was ihm seinerzeit Minuspunkte eintrug. Im Vergleich zum leichtesten Konkurrenten war der Österreicher gut 1 400 kg schwerer. Und wegen des hohen Gewichts gab es hinsichtlich der Stütz- und Radlasten Punktabzüge. Da darf man schon fragen, wo die Kilos „versteckt“ sind. Erklärbar sind sie zum Teil mit der Stärke des Pflugrahmens.
Insgesamt hatte sich der Hektor im Vergleichstest aber gut geschlagen. Drehwerk, Durchgang, Fremdkörpersicherung, Dungeinleger sowie Pflugbild auf den mittleren Böden wurden sehr gut bewertet. Minuspunkte gab es für die Position und Dimension des Aufsattelrads. Bemängelt wurde von den Testern außerdem, dass der Hektor ohne Traktionsverstärker daherkam.
Unterm Strich hielt sich der Hektor im Vergleichstest im guten Durchschnitt. Nach eigenen Angaben sah Vogel & Noot seinen Hauptmarkt in Osteuropa. Allerdings sind gebrauchte Hektor-Pflüge auch hierzulande günstig zu bekommen. Das liegt nicht zuletzt an dem seinerzeit durchaus interessanten Listenpreis, der um einiges unter den Preisen des Wettbewerbs lag.
Im profi-Vergleichstest von 2014 überzeugte der Hektor mit dem Streifenpflugkörper WST 430 durch ein gleichmäßiges Pflugbild auf mittleren Böden.
(Bildquelle: Eikel)
(Bildquelle: Tovornik)
Insolvenz von Vogel & Noot
In den 2000er Jahren konnte Vogel & Noot durchaus gute Geschäftsergebnisse präsentieren. Und es hatte den Anschein, als liefe es bei Vogel & Noot rund. Die Bodenbearbeitungssparte florierte. Und mit dem Verkauf von Vogel & Noot an die Dieter-Mengele-Beteiligungsgesellschaft im Jahr 2003 kam neuer Schwung in das Unternehmen. 2009 kam es wieder zu einem Eigentümerwechsel, als CTP aus Russland den traditionsreichen österreichischen Landmaschinenhersteller übernahm. Das Management wurde zwar beibehalten, aber das Sagen im Unternehmen hatte jetzt einer der weltgrößten Maschinenbaukonzerne, der zur russischen Agromash-Holding gehörte.
Unter dem Dach eines so großen Konzerns sollte es einfacher sein, das Unternehmen weiterzuentwickeln — die Rechnung ging jedoch nicht auf. 2016 meldete Vogel & Noot Insolvenz an.
Zur Neigungsverstellung waren insgesamt vier Spindeln zu verstellen, zwei vorne und zwei hinten am Stützrad.
(Bildquelle: Tovornik)
(Bildquelle: Tovornik)
Die einzelnen Kolbenspeicher der hydraulischen Steinsicherung ließen sich für unterschiedliche Auslösekräfte absperren.
(Bildquelle: Tovornik)
Amazone übernimmt Pflugproduktion
Nach der Insolvenz begann der Ausverkauf von Vogel & Noot. Das bedeutete unter anderem, dass die Pflanzenschutzspritzen, die aus den Holder-Spritzen weiterentwickelt wurden, nun Geschichte waren. Immerhin konnten die Pflüge gerettet werden. Denn das Tochterunternehmen in Ungarn war nicht Teil der Insolvenzmasse. Für das moderne Werk in Mosonmagyaróvár gab es mehrere Interessenten. Den Zuschlag erhielt am Ende die Amazone-Gruppe.
Und Amazone machte etwas daraus. Das Unternehmen hatte mit dem Cayron gerade erst einen eigenen Pflug entwickelt und vorgestellt. Die Vogel & Noot-Pflüge wurden nach dem Erwerb des Werks in Ungarn als Cayros-Anbaupflüge und Hektor-Aufsattelpflüge in das Amazone-Programm integriert und zum Teres bzw. Tyrok weiterentwickelt.