profi damals: Fahrbericht Belarus Kirowetz K 700 A: Zwölf Tonnen Eisen mit Lastschaltung
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Landtechnik-Zuwachs
Mit der DDR-Grenzöffnung rückte auch für profi neue Landtechnik ins Blickfeld. Dass sich der West-Redakteur für den Fahrbericht des Kirovets erst mit der Technik vertraut machen musste, lässt sich deutlich herauslesen. Den letzten aktuellen Kirovets gab es in profi 11/2016.
Trotz der großen Höhe - der K 700 ist alles in allem gut 3,5 m hoch - sieht man auf dem Fahrersitz wenig von dem Fahrzeug. Die Sicht auf den Hinterwagen des Knicklenkers ist mittelmäßig, von den Vorderrädern sieht man vom Sitz aus gar nichts. Das ist auch nicht weiter nötig. Denn der K 700 wird in der DDR vor allem zur großflächigen Bodenbearbeitung eingesetzt: 4 m Pflug, 7 m Scheibenegge oder 10 m Drillmaschine, das sind die Arbeitsgeräte des Kirowetz. Da kommt es auf das zentimetergenaue Einhalten der Fahrspur nicht weiter an.
Unter der Motorhaube läuft ein Achtzylinder-V-Motor mit Turbolader und 162 kW/220 PS Leistung. Der Motor hat Hubraum genug und kann es sich leisten, langsam zu arbeiten: Unser Schlepper hatte eine Nenndrehzahl von 1800 Umdrehungen, die neuen Typen sind auch mit 2 200 Umdrehungen lieferbar.
Der Ölkreislauf des V-Motors ist mit einem zusätzlichen Abscheider für Fremdkörper ausgestattet: Ein Zentrifugalfilter schleudert Rußteilchen aus dem Öl heraus, alle 250 Betriebsstunden werden die Seitenwände des rotierenden Filters gereinigt. Auch der Turbolader hat sicherheitshalber ein zusätzliches Druckfilter, damit wechselnde Ölqualitäten dem Motor keinen Schaden zufügen können.
Das Getriebe des K 700 A löste bei uns Überraschung aus: Wer hätte gedacht, dass der Kirowetz schon seit Jahren eine vierstufige Lastschaltung hat? Insgesamt besitzt der Schlepper 16 Vorwärts- und 8 Rückwärtsgänge. Sie werden über zwei mechanische Getriebegruppen und eine vierstufige hydrostatische Lamellenkupplung geschaltet.
An die Schaltung muss man sich jedoch erst gewöhnen. Deshalb hier eine vollständige Anfahr-Anleitung für den K 700: Schalten Sie zunächst per Knopfdruck den Hauptschalter für die Stromversorgung ein und starten Sie – ebenfalls per Knopfdruck – den Motor (er springt auf den ersten Schlag an).
Treten Sie das Kupplungspedal durch und schieben Sie den Gangschalthebel nach vorn in die Position "Getriebebremse". Jetzt müssen Sie unbedingt den Fuß von der Kupplung nehmen, weil Sie sonst die Gruppe "Langsam/Schnell/Rückwärts "nicht schalten können. Bringen Sie diesen Gruppenhebel dann in Neutralstellung, bevor Sie die zweite Gruppe "Acker/Straße" schalten. Schieben Sie den zweiten Gruppenhebel nach vorn in die Straßengruppe. Schieben Sie nun (stets ohne die Kupplung zu treten!) den ersten vorderen Gruppen (Straße/Langsam mit 3 bis 9 km/h und Acker/Schnell mit 5 bis 14 km/h) überlappen sich so deutlich, dass hier von den acht Geschwindigkeiten effektiv nur 5 oder 6 nutzbar sind.
Und die schnelle Gruppe (Straße/Schnell) macht die Zugmaschine so flott, dass man damit kaum arbeiten kann. Immerhin läuft der K 700 A fast 40 km/h. Das Hubwerk des Kirowetz ist etwas anders aufgebaut als bei "normalen" Schleppern: Die Hubzylinder stehen nicht unter den Hubarmen, sie liegen vielmehr fast waagerecht im Hinterwagen des Knicklenkers. Deshalb ziehen sie die Hubarme über Gelenke, anstatt sie von unten zu drücken.
Die Hubkraft kann sich dennoch sehen lassen: Runde 10 Tonnen soll der K 700 A ausheben. Das komplette Hubgestänge ist dazu besonders stabil gefertigt. Der Oberlenker hat sogar spezielle Tellerscheiben, die unter Last Stöße von Anbaugeräten abfedern.
Eine Zapfwelle gibt es im Normalfall nicht, sie kann jedoch auf Wunsch eingebaut werden. Dafür ist eine Druckluftanlage mit 8 bar Betriebsdruck serienmäßig. Denn der K 700 wird druckluftgebremst.
Die Ausstattung der Kabine würde unseren westlichen Ansprüchen heute sicher nicht mehr genügen, sie ist einfach und schlicht – aber durchaus praxisbezogen. Die Scheibenwischer werden pneumatisch betrieben, über Drehventile zum Öffnen der Luftzufuhr sind sie sogar stufenlos einstellbar. Die überdimensionierte Heizung bringt auch die große Kabine bei Kälte schnell auf Temperatur. Vier große Lüftungsöffnungen blasen gefilterte Außenluft in das Fahrerhaus.
Insgesamt ließ sich der K 700 auch durchaus willig fahren, wenn man sich an seine Besonderheiten erst mal gewöhnt hatte. Dazu zählt das doch recht gewöhnungsbedürftige Lenkverhalten des Knicklenkers ebenso wie das große Spiel in der Lenkung.
Beim Wenden auf dem Vorgewende kommt als Problem hinzu, dass die permanent sperrenden Achsen nur mit kräftigem Drehen am Lenkrad in die Kurve zu steuern sind. Bei stehendem Schlepper lässt sich das Knickgelenk deshalb kaum bewegen. Wir befragten die Fahrer, was sie vom K 700 halten. Danach gibt es mit Motor und Getriebe allgemein wenig Probleme. Manche Motoren fressen übermäßig Öl, unser Testschlepper hatte sich da in drei Jahren Lebenszeit und 3 400 Betriebsstunden allerdings auch sehr zurückgehalten (kontrolliert nach Bordbuch!)
Schwachpunkt ist beim K 700 (wie bei westlichen Knickschleppern auch) das Knickgelenk. Hier treten große Kräfte auf, hier ist auch der Verschleiß besonders hoch. Deshalb wurden auf der LPG, die wir für unsere Testfahrt besuchten, grundsätzlich bei allen K 700 die Knickgelenke in ihren Drehpunkten ausgebohrt und mit zusätzlichen Büchsen versehen. Diese lassen sich austauschen, wenn sie verschlissen sind.
Zusammenfassung: Als Mittelding zwischen Schlepper und Lkw ist der K 700 A eine Zugmaschine vor allem für schwere Zugarbeiten. Er ist weder so vielseitig verwendbar wie westliche Ackerschlepper noch annähernd so komfortabel. Das Getriebe ist nicht sonderlich gut schaltbar, die vier Lastschaltstufen sind dafür jedoch zukunftsweisend – auch nach westlichen Maßstäben.
Das große Problem unseres K 700 war sein Übergewicht bzw. seine Unter-Motorisierung. 12 Tonnen Leergewicht bringt die Zugmaschine auf die Waage. Da helfen auch die breiten Reifen nicht mehr, der Bodendruck ist recht hoch.
Zum anderen aber sind 12 Tonnen Eigengewicht für 220 PS zu viel, die Zugleistung ist stark eingeschränkt. Westliche Hersteller liefern die gleiche Leistung mit einem Leergewicht von 8 000 kg. Das sind 4 Tonnen weniger! Die Leningrader Kirow-Werke bauen den K 701 A als Nachfolger heute allerdings auch schon mit 234 kW/330 PS.
profi Daten-Kompass
Belarus Kirowetz K 700 A
162 kW/220 PS, Acht-Zylinder-V-Motor mit Turbolader, Nenndrehzahl 1 800 Umdrehungen (auf Wunsch 2 200 Umdrehungen); Wasserkühlung; 35 Liter Motorenöl; Fassungsvermögen des Kraftstofftanks: 2 x 300 = 600 Liter.
Getriebe
16 Vorwärts- und 8 Rückwärtsgänge; zwei mechanische Schaltgruppen mit Zahnkupplungen, vierstufige hydrostatische Lamellenkupplung; zusätzliche Getriebebremse; 30 Liter Getriebeöl; Schaltgruppe I: 2 bis 6 km/h, Gruppe II: 3 bis 9 km/h, Gruppe III: 5 bis 14 km/h, Gruppe IV: 10-40 km/h.
Hubwerk
Hubkraft etwa 10 Tonnen, keine Regelhydraulik; liegende Hubzylinder; Schnellkuppler-Dreieck (ähnlich dem System Weiste, nur größer) als Kuppelhilfe; 120 Liter Hydrauliköl.
Zapfwelle
Nur auf Wunsch lieferbar
Gewicht
Leergewicht: etwa 12 Tonnen; Gesamtgewicht bis zu 22 Tonnen.
Preis:
Nach unseren Informationen Listenpreis in der DDR etwa 200 000 Ostmark, für LPG auf 100000 Ostmark verringert.
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