Ringelretter von Hölscher + Leuschner: Bittere Zeiten für Schwanzbeißer
Zum Schutz vor Schwanzbeißen sprüht der Ringelretter bitter schmeckende Farbe auf das Hinterteil. Lesen Sie, wie die neue Technik funktioniert und wieso KI die Lösung verspricht.
Trotz einer vermeintlich positiven Tendenz: Schwanzbeißen bleibt ein ernst zu nehmendes Problem in der Schweinehaltung. Ein Kupieren der Schwänze würde damit verbundene Risiken zwar mindern, doch ist der Eingriff bei Schweinen in der EU nur noch unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Rettung bei langen Schwänzen
Damit Schweinehalter auf Kupieren verzichten können, stellte Hölscher + Leuschner auf der EuroTier 2024 den sogenannten Ringelretter vor. Die Funktion der Technik basiert auf einem Mittel, welches bitter schmeckt und beim Besuch der Sortierstation auf die Schwänze der Tiere gesprüht wird.
Neben einer bereits verfügbaren Version für die Sortierschleuse optiSort arbeitet der Hersteller bereits an einer zweiten Variante, welche mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet sein wird. Anstatt prophylaktisch Mittel aufzutragen, erkennt und unterscheidet die KI Schwanzbeißen in sechs verschiedenen Stufen. Dafür registriert die KI bereits kleinste Anzeichen einer Verhaltensstörung. Schlimmes Leid ließe sich so verhindern.
Die Basisausstattung
Hölscher + Leuschner greift beim Ringelretter auf die Technik optiSort zum berührungslosen Wiegen und Sortieren von Mastschweinen zurück (profi 2/2005 und 10/2016). Wer optiSort nicht kennt: Es handelt sich hier um eine Schleuse zwischen Liege- und Fressbereich. Beim Betreten der Schleuse wird das Tier per Kamera erfasst und gefilmt. Die Daten wertet der Stallcomputer aus und bestimmt daraus das Tiergewicht. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden, danach verlässt das Tier die Schleuse in Richtung Fressbereich.
Jetzt bestellen und weiterlesen!
profi - Das Fachmagazin für Landtechnik
Upgrade für Heftleser
Heftleser? Jetzt günstig upgraden!
25,80 EUR
/
Jahr
Profitieren Sie vom nahtlosen Überang zwischen Heft und Website
Zugang zu sämtlichen Inhalten auf profi.de
Zugriff auf alle profi Ausgaben und Sonderhefte (Digital)
Trotz einer vermeintlich positiven Tendenz: Schwanzbeißen bleibt ein ernst zu nehmendes Problem in der Schweinehaltung. Ein Kupieren der Schwänze würde damit verbundene Risiken zwar mindern, doch ist der Eingriff bei Schweinen in der EU nur noch unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Rettung bei langen Schwänzen
Damit Schweinehalter auf Kupieren verzichten können, stellte Hölscher + Leuschner auf der EuroTier 2024 den sogenannten Ringelretter vor. Die Funktion der Technik basiert auf einem Mittel, welches bitter schmeckt und beim Besuch der Sortierstation auf die Schwänze der Tiere gesprüht wird.
Neben einer bereits verfügbaren Version für die Sortierschleuse optiSort arbeitet der Hersteller bereits an einer zweiten Variante, welche mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet sein wird. Anstatt prophylaktisch Mittel aufzutragen, erkennt und unterscheidet die KI Schwanzbeißen in sechs verschiedenen Stufen. Dafür registriert die KI bereits kleinste Anzeichen einer Verhaltensstörung. Schlimmes Leid ließe sich so verhindern.
Die Basisausstattung
Hölscher + Leuschner greift beim Ringelretter auf die Technik optiSort zum berührungslosen Wiegen und Sortieren von Mastschweinen zurück (profi 2/2005 und 10/2016). Wer optiSort nicht kennt: Es handelt sich hier um eine Schleuse zwischen Liege- und Fressbereich. Beim Betreten der Schleuse wird das Tier per Kamera erfasst und gefilmt. Die Daten wertet der Stallcomputer aus und bestimmt daraus das Tiergewicht. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden, danach verlässt das Tier die Schleuse in Richtung Fressbereich.
Jetzt bestellen und weiterlesen!
profi - Das Fachmagazin für Landtechnik
Upgrade für Heftleser
Heftleser? Jetzt günstig upgraden!
25,80 EUR
/
Jahr
Profitieren Sie vom nahtlosen Überang zwischen Heft und Website
Zugang zu sämtlichen Inhalten auf profi.de
Zugriff auf alle profi Ausgaben und Sonderhefte (Digital)
Die Technik Ringelretter nutzt den kurzen Aufenthalt in der Schleuse zum Aufsprühen eines bitter schmeckenden Wirkstoffs im Schwanzbereich. Aktuell empfiehlt der Hersteller das Mittel Anti-Bite von MS-
Schippers (Preis: rund 20 Euro/l ohne Mehrwertsteuer). Da Hölscher + Leuschner eine noch intensivere und noch länger anhaltende Wirkung anstrebt, entwickelt der Hersteller gerade selbst ein Sprühmittel, das mit extrem scharfem Capsaicin und bitterem Denatonium versetzt viel schärfer und noch bitterer schmeckt — was den Tieren die Lust am Schwanzbeißen hoffentlich gänzlich nimmt.
Aufgrund der aktuell etwa zwei Tage anhaltenden Wirkung des aufgesprühten Mittels muss ein Tier nicht bei jedem Besuch der optiSort-Station angesprüht werden. Die in der optiSort-Station installierte 3D-Kamera ist deshalb so ausgestattet, dass sie erkennen kann, ob ein Tier im hinteren Bereich eine Markierung aufweist. Ist keine Farbe vorhanden oder ist der letzte Auftrag bereits stark verblasst, wird erneut mit Bitterstoff versetzte Farbe aufgesprüht. Aktuell genügt die Erneuerung des Auftrags alle zwei Tage, so die Erfahrung eines Landwirts, welcher seit Mitte 2024 einen Ringelretter besitzt.
Die Basisversion des Ringelretters verlangt, dass der Landwirt die Sprühanlage selbst einschaltet. Dies birgt die Gefahr eines späten Reagierens, sollte Schwanzbeißen plötzlich auftreten. Hölscher + Leuschner entwickelt deshalb eine zweite, mit KI ausgestattete Variante. Ziel ist, dass sie bei ersten Anzeichen von Schwanzbeißen von selbst mit einem Einsprühen beginnt.
Die aufgesprühte und bitter schmeckende Farbe hält aktuell etwa zwei Tage.
(Bildquelle: Schildmann)
Aktuell müssen Landwirte das Sprühmittel noch selbst anmischen.
(Bildquelle: Schildmann)
KI erkennt Schwanzbeißen
Die mit KI ausgestattete Kamera wertet dafür die Konstitution aller Schwänze aus, parallel teilt sie die Aufnahmen zur besseren Veranschaulichung in sechs Kategorien ein. Während in die Kategorie 6 schwere Verletzungen fallen, betrachtet die Kategorie 1 einen Ringelschwanz nur dann als unversehrt, wenn er schmutzig und vollständig behaart ist. Sollte der Schwanz aufgrund eines gesteigerten Interesses der Klassenkollegen blank geleckt sein, fällt das Tier in die Kategorie 2 usw. Schon vor einem Ausbruch könnte so der Ringelretter Schwanzbeißen aktiv unterbinden. Zudem spart der Landwirt mit der KI-Version im Idealfall sogar Kosten für Sprühmittel ein, da auf einen prophylaktischen Einsatz verzichtet werden kann.
Die Kosten
Die Basisversion zum Nachrüsten einer optiSort-Sortierschleuse mit dem Ringelretter steht aktuell mit 990 Euro ohne Mehrwertsteuer in der Preisliste von Hölscher + Leuschner. Im Preis enthalten ist neben einem 3 l großen Drucktank für das Einfüllen des Sprühmittels die Technik zum Sprühen sowie ein Chip für die Sortierkamera. Die Kosten der rund dreistündigen Montage durch einen Werkmonteur sind im Materialpreis nicht enthalten.
Den Mittelverbrauch gab der Landwirt mit rund 10 ml je Sprühvorgang an. Bei einem Produktpreis von 20 Euro/l kostet damit eine Sprühbehandlung rund 20 Cent. Bei einer Haltbarkeit von zwei Tagen ergeben sich so rein rechnerisch variable Kosten von rund 10 Cent/Tier und Tag.
Ein Preis für die KI-Variante sowie ein Datum zu deren Markteinführung sind noch nicht bekannt. Nicht festlegen möchte sich Hölscher + Leuschner auch hinsichtlich einer dritten Varianten in Form einer mobilen Stand-Alone-Version. Diese Variante hätte den Vorteil, dass auch Betriebe ohne optiSort-Sortierschleuse in den Genuss des Ringelretters kämen.