Claas-Maisgebiss Orbis 750 im GPS-Einsatz: Auch für dünne Halme
Dass die aktuelle Claas Orbis-Baureihe dicke Maisstängel gut schneidet, ist bekannt. Wir wollten wissen, wie gut das Gebiss für Ganzpflanzensilage geeignet ist.
Seit 2019 hat Claas das aktuelle Orbis-Maisgebiss bis 7,50 m Arbeitsbreite im Programm (profi 11/2018). Im Herbst 2020 wurde auch das 9 m breite Orbis 900 vorgestellt (profi 3/2021). Gegenüber der Vorgänger-Baureihe sind als Merkmal vor allem der flachere Anstellwinkel und die neue Sichelform der Messer zu nennen. Ob das dem Häckseln von Ganzpflanzensilage (GPS) zugutekommt, haben wir Anfang Juli 2021 ausprobiert. Dafür stand uns eine Fläche mit Roggen im Reifestadium Ende Milch-/Anfang Teigreife zur Verfügung. Im Vergleich zum 7,50 m breiten Orbis haben wir auch das Direktschneidwerk Direct Disc 600 mit 6 m Arbeitsbreite und hydraulisch verstellbarem Rollenniederhalter eingesetzt.
Beide Vorsätze kamen mit maximaler Drehzahl an demselben Claas Jaguar 970 mit 580 kW/790 PS Maximalleistung, 36er Messertrommel, 6 mm eingestellter Schnittlänge und 1,5 mm Crackerabstand (MCC Classic mit 150 Zähnen und 60 % Drehzahldifferenz) zum Einsatz. Die Fahrgeschwindigkeit betrug auf einer Parzelle einheitlich 7,5 km/h. Auf einer anderen Teilfläche waren wir mit maximaler Geschwindigkeit unterwegs (8,5 km/h beim Orbis, 9,5 km/h beim Direct Disc).
Die minimale Schnitthöhe beträgt beim Orbis 8 cm. Je nach Einstellung der Schleifkufen kommt man mit dem Direct Disc noch tiefer herunter.
Die auf 12 cm eingestellte Schnitthöhe wurde bei 7,5 km/h von beiden Vorsätzen gut eingehalten. Hier wirkt sich das Sägezahnprofil der aktuellen Messer positiv aus (nachrüstbar an älteren Orbis).
Die Fahrgeschwindigkeit beeinflusst die Stoppellänge — 1 km/h schnellere Fahrt bedeuteten 1 cm mehr Stoppellänge beim Direct Disc und 2 cm beim Orbis.
Die Stoppelhöhe beim Direct Disc mit dem Max Cut-Mähbalken war einheitlich. Beim Orbis blieben bis zu 30 cm lange Stoppeln an den Nahtstellen der Messerscheiben stehen, was aber kaum als Ernteverluste zu werten ist.
Die Pflanzenaufnahme war beim Direct Disc wie gewohnt topp. Das Orbis ließ im Bereich von Fahr- und Anschlussspuren Pflanzen stehen. Laut Claas führen hier die Fingerträger zum Umknicken von Halmen, wenn der Bestand nicht dagegenhalten kann. Der Effekt verstärkt sich bei schnellerer Fahrt. Hier will Claas die Pflanzenführung noch weiter verbessern.
Bei beiden Vorsätzen war an der Häckselqualität augenscheinlich nichts auszusetzen, der geringe Überlängenanteil war vergleichbar. Die Gleichmäßigkeit der Schnittlänge machte beim Orbis einen geringfügig besseren Eindruck. Hier ist der Anteil der Pflanzen höher, die aufgrund der Gutführung optimal der Länge nach dem Häckselaggregat zugeführt werden.
Punkten kann das Maisgebiss bei der Umrüstung zwischen Arbeits- und Transportstellung. Während beim Direct Disc 600 der An- und Abbau beim Feldwechsel sowie der über 14 000 Euro teure Transportwagen zu Buche schlägt, bleibt das eingeklappte Orbis am Häcksler. Und wenn man rund 6 500 Euro für die automatische Schutzvorrichtung bezahlt (profi 3/2021), ist man in 20 Sekunden auf der Straße.
Wir haben in einem unproblematischen Roggenbestand das Orbis 750 (links im Bild) mit dem Direct Disc 600 am selben Häcksler verglichen. Der zweite Jaguar war nur Fotomodell.
(Bildquelle: Eikel)
Im Nahtbereich der Messerscheiben kommt es beim Orbis zwangsläufig zu längeren Stoppeln.
(Bildquelle: Eikel)
Das Direct Disc hinterließ eine gleichmäßige Stoppellänge — schön für das Auge und die Stoppelbearbeitung.
(Bildquelle: Eikel)
Die Gleichmäßigkeit des Häckselgutes war beim Orbis augenscheinlich etwas besser...
(Bildquelle: Eikel)
...während der Anteil an Überlängen bei beiden Vorsätzen vergleichbar war.
(Bildquelle: Eikel)
Der Gutfluss im Orbis führt die Halme der Länge nach dem Häcksler zu. Das kommt der Häckselqualität zugute.
(Bildquelle: Eikel)
Für GPS sollten die Außenspitzen getauscht und der Reihentaster demontiert werden. Das Rohr über dem Mittelfinger verbessert den Gutfluss.
(Bildquelle: Eikel)
Für schwierige Bedingungen gibt es statt normaler Finger…
(Bildquelle: Claas)
…Fingerverlängerungen.
(Bildquelle: Claas)
Umrüstung des Orbis
Für den Einsatz in GPS lässt sich das Orbis mit guter Auto Contour-Bodenanpassung an verschiedenen Stellen umrüsten und optimieren. Auf die Frage „Was ist nötig?“ antwortet Claas, dass die Abstreifer an den Förderrotoren exakt einzustellen sind sowie die maximale Vorsatzdrehzahl gewählt werden sollte.
Wir haben mit den zwei grundsätzlich erforderlichen Umbauten gearbeitet: Tausch der beiden Außenspitzen (so werden die Pflanzen nach außen geneigt), und Demontage des Reihentasters (er knickt Pflanzen um). Den Gutfluss optimiert man dann am besten mit einem auf die Mittelspitze aufgeschraubten Rohr (hier will Claas zukünftig auch etwas anbieten).
Reicht das nicht aus, können weitere Maßnahmen die Arbeitsqualität steigern. So lassen sich die Kolbenfallen demontieren, falls das Pflanzenmaterial hier zum Aufschieben neigt. Kommt es im Bereich der Finger zum Beispiel bei Lager zu Störungen, kann man einzelne Finger abschrauben. Oder man schraubt die zweiteiligen Lagermais-Finger auf die Halter (Aufpreis knapp 1 600 Euro für das Orbis 750).
Direktschneidwerk: Unschlagbar aber teuer
Stoppelqualität und Einsatzvielfalt sind die unbestrittenen Vorteile eines Direktschneidwerks. Das eingesetzte Direct Disc 600 war mit zwei zusätzliche Förderhüten pro Scheibe (1 200 Euro Aufpreis) und hydraulisch stufenlos verstellbarem Rollenniederhalter für gut 4 800 Euro Aufpreis ausgestattet.
Die doppelten, 10 cm hohen Förderhüte sichern den Gutfluss auf dem Max Cut-Mähbalken zur 80 cm Durchmesser großen Einzugsschnecke. Und den Rollenniederhalter kann man sehr schön an die Bestandeshöhe anpassen, so dass die durch die Vorfahrt nach vorne vorgespannten Halme nach dem Schnitt quasi in den Vorsatz springen.
Der größte Nachteil des Direktschneidwerkes ist der Anschaffungspreis: In der Grundausstattung kostet das 6 m breite Direct Disc 600 knapp 71 000 Euro. Mit Transportwagen, Förderhüten, hydraulischem Rollenniederhalter und Trennmessern für ineinander verschlungene Bestände sind es fast 98 000 Euro.
Claas-Feldhäcksler mit einem Direct Disc 600-Schneidwerk.
(Bildquelle: Eikel)
Die Förderhüte…
(Bildquelle: Eikel)
…sowie der hydraulisch justierbare Rollenniederhalter sorgen für einen prima Gutfluss beim Direct Disc 600.
(Bildquelle: Eikel)
Fazit
Mit dem Orbis 750 lässt sich ordentlich GPS häckseln. Zwar muss man gegenüber dem Direct Disc Zugeständnisse beim Stoppelbild machen, dafür hat das Maisgebiss leichte Vorteile bei der Häckselqualität und deutliche Vorzüge beim Straßentransport. Die Häckselleistung ist vergleichbar: Mit dem Direct Disc konnte um so viel schneller gefahren werden wie das Orbis breiter war.
Der größte Vorteil des gut 135 000 Euro teuren Orbis 750 zum GPS-Einsatz ist die gesparte Investition für das Direct Disc 600 in Höhe von 71 000 bis 98 000 Euro (alle Preise ohne MwSt.). Dafür lassen sich Ungleichmäßigkeiten in der Stoppellänge gut ertragen.
Kein Weg führt dagegen am Direktschneidwerk vorbei, wenn die Einsatzfläche für GPS zunimmt und/oder die Erntebedingungen schwieriger werden. Auch beim Einsatz in speziellen Kulturen wie Wick-Roggen, durchwachsene Silphie oder Sorghum ist ein Direktschneidwerk die einzige Wahl.