Ich schwöre bei Gott
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FAHRER: Mein Schwager hat eine kleine Maschinenbaufirma und ist sein eigener Administrator. Er vertraut auf die Firewall und den Virenscanner. Den Hype um die Windows-Umstellung hält er für ein gigantisches Beschäftigungsprogramm. Er benutzt weiter Windows 7.
MARING: Ganz schön mutig.
LOHNER: Der Mann hat womöglich recht. Viel wichtiger als die Version des Betriebssystems ist es, wachsam zu sein und gut zu überlegen, welche Internetseiten man öffnet und welche nicht.
BAUER: Aber selbst wenn du die sicherste EDV der Welt hast und nur seriöse Seiten im Netz besuchst, kann es dich dumm erwischen.
LOHNER: Wie meinst du das?
BAUER: Ich habe neulich unseren kleinen Schlepper bei Traktorpool und bei eBay eingestellt. Seitdem wir einen Hoflader haben, steht der nur noch herum.
FAHRER: Was ist daran so gefährlich?
BAUER: Es gibt aktuell eine üble Betrugsmasche, die ich nicht kannte.
MARING: Klingt ja spannend.
BAUER: Kurz nachdem meine Anzeige in den Börsen aktiviert war, kamen per Mail einige Anfragen. Unter anderem war über eBay ein Christian Wilhelm dabei.
LOHNER: Kenne ich nicht.
BAUER: Er fragte nach dem Grund des Verkaufs und ob am Preis noch was zu machen wäre. Nach weiteren Mails einigten wir uns, und ich freute mich darüber, dass ich nicht wochenlang irgendwelche Traktorpilger zu betreuen brauchte.
FAHRER: Wie? Ihr habt nicht telefoniert und keine Besichtigung vereinbart?
BAUER: Das war auch mein Vorschlag. Herr Wilhelm erwiderte per Mail: „Ich stehe aufgrund der Art meiner Arbeit nicht für die Abholung zur Verfügung, aber ich werde die Abholung mit der EMS Spedition arrangieren. Sie werden zu Ihnen nach Hause kommen für die Abholung, sobald ich mit der Zahlung fertig bin.“
MARING: Der Mann hat Nerven.
BAUER: Er fragte nach meiner Bankverbindung, die sollte ich ihm mailen. Weil mir das etwas brenzlig erschien, rief ich meinen Anwalt an und schilderte den Fall. Der meinte, dass meine Kontodaten eh im Netz umhergeistern, aus seiner Sicht könne nichts schiefgehen.
LOHNER: Aber wo ist der Haken?
BAUER: Der kommt gleich. Die nächste Nachricht lautete, dass die Zahlung bereits morgen abgeschlossen werde und der Abholer informiert würde.
MARING: Soweit doch ok?
BAUER: In den folgenden Tagen schaute ich mehrmals in mein Konto, aber der vereinbarte Kaufpreis war nicht da. Auf Nachfrage beim Käufer bekam ich folgende Antwort: „Die Bank hat das Geld aus Sicherheitsgründen zurückgehalten, bis Sie die Transportkosten von 380 Euro bezahlt haben.“ Angeblich hätte Herr Wilhelm den vereinbarten Betrag sogar um 430 Euro aufgestockt. Da machte es bei mir klick.
LOHNER: Ein interessantes Geschäftsmodell.
BAUER: Ich googelte nach der RBC Bank, zu der ich 380 Euro überweisen sollte. Die Bank gibt es tatsächlich, doch führten die obersten Treffer direkt auf die Seite „verbraucherschutz.de“. Dort wird die Betrugsmasche genau beschrieben, damit war ich erst einmal bedient.
MARING: Wie funktioniert sie?
BAUER: Einige eBay-Nutzer haben geschildert, wie sie beim Versuch, irgendwelche Dinge zu verkaufen, vorab teils ein Vielfaches des Wertes überwiesen hatten. Meistens handelte es sich um angebliche Transport- oder Versicherungskosten. Das Geld war futsch, der Betrüger unauffindbar und das Brautkleid hing nach wie vor im Schrank.
FAHRER: Dann bist du ja noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.
BAUER: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ich antwortete dem Betrüger, dass sich der Fall für mich erledigt habe. Meine Frau konnte mich nicht davon abhalten, dabei die eine oder andere Verbalinjurie zu verwenden. Ich war echt sauer, weil ich bereits mehreren Interessenten abgesagt hatte.
LOHNER: Ist nachvollziehbar.Bauer: Es folgten noch zwei weitere Mails von ihm, in denen er mir drohte: „Wenn ich meine 12 930 Euro verliere, schwöre ich Gott, ich werde rechtliche Schritte gegen Sie einleiten, weil die Bank es klar sagt, dass die geleistete Zahlung nicht rückgängig gemacht werden kann“.
MARING: Das ist ja dramatisch.
BAUER: Meine Beschimpfung und die Erkenntnis, dass ihm ein Fisch von der Angel gegangen war, hat der Typ mir sehr übel genommen. Denn er hat mich bei eBay sperren lassen. Zuerst wunderte ich mich, dass ich mein Nutzerkonto nicht aufrufen konnte. Erst beim erneuten Aufgeben der Anzeige mit neuen Nutzerdaten begriff ich, dass ich gesperrt bin.
LOHNER: Wahrscheinlich sitzt das Schwein in Osteuropa und ist nicht dingfest zu machen.
BAUER: Angesichts der fehlenden E-Mail-Signatur und der Weigerung zu telefonieren dachte ich das auch zuerst. Dafür sprach, dass der Satzbau ziemlich schräg war. Aber im Nachhinein habe ich festgestellt, dass in den Mails kein einziges Wort falsch geschrieben war. Ich bin mir sicher, dass der Betrüger deutschsprachig ist.
FAHRER: Die Sperrung bei eBay kannst du rückgängig machen, dafür gibt es ein Formular.
BAUER: Genau das habe ich getan, aber der Hinweis: „Aufgrund eines erhöhten Anfragevolumens können wir im Moment nicht innerhalb von zwei bis drei Werktagen antworten“ sagt alles. Doch zum Glück gibt es noch Traktorpool.