Mit 29.494 zugelassenen Traktoren ist und bleibt Deutschland in Europa ein Treckerland. Im Vergleich zum Jahr 2023 wurden allerdings 851 Einheiten weniger zugelassen. Das bedeutet ein Minus von 2,8 %. Dieser Rückgang ist angesichts der Herstellerprognosen gering, zumal viele einen zweistelligen Rückgang erwarteten.
Fendt gewinnt die Traktorzulassungen 2024
Einen Zuwachs im zweistelligen Bereich sicherte sich im vergangenen Jahr Fendt. 7.421 zugelassene Traktoren bedeuten ein Plus von satten 1.281 Einheiten und einen Marktanteil in der Tabelle aller zugelassenen Traktoren 25 % — jeder vierte in Deutschland zugelassene Schlepper stammt also aus Marktoberdorf. In der Tabelle ab 50 PS stammt sogar jeder dritte Traktor aus dem Allgäu — also knapp 30 % Marktanteil.
John Deere lässt Federn
Verlierer des Jahres 2024 ist John Deere. Rein statistisch gesehen, hat John Deere seinen Verlust von 1.212 Traktoren im Markt komplett an Fendt abgeben müssen. John Deere verliert 20,5 %-Punkte im Vergleich zu 2023. Eine ähnliche Marktumverteilung der beiden großen Rivalen gab es 2020 (Grafik: „Zulassungszahlen nach Hersteller der vergangenen 20 Jahre“). Dort kreuzen sich die Linien in ähnlicher, wenn auch nicht in so deutlicher Form wie in diesem Jahr.
Bleibt die Frage: Woran hat es gelegen? Klare Antworten zu dieser Umverteilung gibt niemand. Fakt ist, dass Fendt den 728 Vario über 1.500 Mal hat zulassen können, gefolgt vom Fendt 724 Vario mit über 1.000 Einheiten (Tabelle: „Die drei beliebtesten Modelle der Hersteller“). Ob die Einheiten zu einem besonders günstigen Kurs verkauft wurden oder ob es attraktive Mietangebote 2024 gab, wollte man uns nicht direkt beantworten. Wiederum Fakt ist: Etwa ein Drittel der verkauften Fendt-Traktoren in Deutschland gehen an die BayWa. Ob die Liquidierung dieser Traktoren zur Sanierung des kriselnden Handelskonzerns diesen Zuwachs erklärt, können wir ebenfalls nur vermuten.
Bei John Deere ist man sich des Verlustes natürlich bewusst, denn er ist eindeutig. Dennoch sieht man bei John Deere auch wieder Licht am Ende des Tunnels und setzt auf 2025. Zulassungen zu jedem (kleinen) Preis wird es bei John Deere nach eigenen Angaben aber nicht geben.
Noch erwähnenswert in der Tabelle „Traktorzulassungen 2024“: TYM hat 2024 Branson übernommen und daher einen hohen Zuwachs, während Branson einen üppigen Verlust verzeichnet, weil nur noch Händlermaschinen endverkauft wurden. Erstmals unter den Top 20 findet sich der Name V.S.T. aus Indien, die (mit Mitsubishi-Beteiligung), in Lizenz Zetor-Traktoren herstellen.
Ein neuer Dritter
Ebenfalls gewechselt und damit erstmals auf dem Treppchen: Claas. Mit 2.239 Traktoren haben die Claasianer im Vergleich zu 2023 um 7 % (+ 147 Stück) zulegen und sich damit erstmals Platz 3 in der Zulassungsstatistik sichern können.
Nach John Deere muss SDF mit knapp 18 % weniger zugelassenen Traktoren (505 Einheiten) die meisten Federn lassen (Tabelle: „Marktanteile der Konzerne“). CNH mit Case IH, Steyr und New Holland verliert in Summe 6,1 % zum Vorjahr (207 Traktoren), während Kubota 147 Traktoren mehr zulassen konnte als im Jahr 2023 (+ 5,7 %). Wie üblich sind die Japaner dabei besonders im kleinen Schleppersegment stark. Die sechs Konzerne beherrschen weiterhin den Traktorenmarkt. 2024 stammen 82,6 % der zugelassenen Traktoren in Deutschland von diesen 13 Traktormarken.
Weniger „echte“ Traktoren
Auch bei den Traktoren über 50 PS gibt es einen Rückgang von etwa 3 % (Tabelle: „Traktorzulassungen 2024 ab 51 PS“. Hinsichtlich der Reihenfolge gibt es hier keine Überraschungen. Aber allein Fendt und Claas können im Jahr 2024 Zuwächse verzeichnen. Alle anderen Hersteller haben in dieser Liga weniger Schlepper zulassen können. Wie wichtig der Markt unterhalb von 50 PS für die Hersteller ist, beschreibt unsere Tabelle „Leistungsklassen im Vergleich“. Mit über 6.000 zugelassenen Traktoren ist der Markt ein echter Stückzahlbringer für Kubota (1.628 Einheiten), Sonalika (1.246 Traktoren) und John Deere (800 Schlepper), gefolgt von Iseki (516 Stück) und Tym (342 Traktoren).
Dominiert in der Liga von 50 bis 100 PS noch Deutz-Fahr (980 Traktoren), teilen sich gemäß der Gesamtzahlen John Deere und vor allem Fendt die übrigen Spitzenpositionen in den Leistungsklassen auf. Was diese Tabelle aber auch eindrucksvoll zeigt: Die durchschnittliche Leistung pro zugelassenem Traktor steigt weiter. Das passt zu den beliebtesten Traktoren der Hersteller. Stückzahlbringer sind Traktoren in der Leistungsklasse von 200 bis 300 PS. Der 724 Vario wurde in dieser Liga bereits 1.024 Mal zugelassen.
Fendt 728 Vario sehr beliebt
Spitzenreiter beim beliebtesten Modell ist der Fendt 728 Vario mit 1 520 Zulassungen. Wichtig zu wissen: Der Fendt 728 wird in der Gruppe der Schlepper von 301 bis 400 PS gezählt. Warum? Das können wir nicht direkt beantworten, zumal John Deere mit dem 6250R oder Case IH mit dem Puma 260 hinsichtlich der Maximalleistung in ähnliche Größen über 300 PS stoßen.
Mit 212 Traktoren ist die Königsklasse über 500 PS klein, aber interessant. Mercedes-Benz taucht hier auf, der Unimog hat maximal 350 PS. Hier bekommen Agrar-Lkw eine entsprechende Zulassung und werden in dieser Statistik gelistet. Fendt kann in dieser Liga 105 Traktoren (Fendt 1050 Vario oder 1100 MT) zulassen, gefolgt von Claas mit dem Xerion 12 bzw. Xerion 5000 und 46 Zulassungen sowie John Deere mit 27 Traktoren der Serie 9R.
Die Zulassungen der vergangenen 20 Jahre zeigen, dass trotz vermeintlicher Krise die Zahlen nicht eingebrochen sind. Abgesehen von den Spitzenjahren 2010 bis 2014 sind die Zulassungszahlen relativ konstant.
Fazit
Es hätte schlimmer kommen können. Mit 29.494 zugelassenen Traktoren schließt das Jahr der Schlepperzulassungen 2024 mit einem Minus von knapp 3 % gegenüber dem Vorjahr 2023 ab.
Mehr zugelassene Traktoren in der Tabelle der besten 10 konnten Fendt (+ 20,9 %), Claas (+ 7 %) und Kubota (+ 5,7 %) erzielen. Verluste mussten vornehmlich John Deere (– 20,1 %), Valtra (– 15,6 %), Deutz-Fahr
(– 15 %) und New Holland (– 12,3 %) hinnehmen. Auf ein neues, spannendes Zulassungsjahr 2025.