Technisch gelten kleine Hochdruckballen als überholt — und doch gibt es einen Markt. Mit der Massey Ferguson 1840 ist eine bewährte Maschine in Längsfluss-Bauweise verfügbar.
Bereits seit einigen Jahrzehnten hat sich das Grunddesign der kleinen Presse bewährt: Die zum Agco-
Konzern gehörende US-Marke Hesston aus der gleichnamigen Stadt in den USA präsentierte in den 1970er Jahren eine nach dem Längsfluss-Prinzip aufgebaute Hochdruck-Presse, die den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Baureihe legte. Vor allem in Nordamerika fanden und finden die Maschinen große Verbreitung. Während dort die Baureihe 1800 mehrere Modelle umfasst, wird in Deutschland aktuell nur das Modell 1840 mit einem Kanalmaß von 46 x 36 cm angeboten. Zukünftig soll das Angebot aber ausgebaut werden (Kasten „Die große Schwester“).
Aber fangen wir vorne an: Angehängt wird die knapp 1,6 t schwere Presse am Zugpendel — die Schlauchführung auf der Deichsel bietet dabei noch Optimierungspotenzial. Die Höhe der Deichsel kann in mehrere Positionen verstellt werden. Der Presskolben wird mit 540 Zapfwellenumdrehungen über eine Weitwinkel-Gelenkwelle von Bondioli & Pavesi in Schwung versetzt. Abgesichert ist der Antriebsstrang über eine Rutschkupplung sowie über Scherbolzen am Schwungrad.
Die Pickup misst von Zinken zu Zinken 1,93 m Arbeitsbreite und nimmt das Material mit vier Zinkenreihen und insgesamt 56 Doppelzinken vom Boden auf. Massey Ferguson setzt dabei auf eine Kurvenbahn mit gesteuerten, gebogenen Zinken. Das Ausheben und Absenken der Pickup erfolgt hydraulisch — für den gesamten Betrieb der Presse ist damit nur ein einziges dw-Steuerventil am Schlepper nötig.
Die Arbeitshöhe der Pickup wird über zwei per Handkurbel rechts und links verstellbare Anschläge eingestellt. Die seitlichen Vollgummi-Räder dienen nur als Tasträder, um einen Bodenkontakt der Zinken zu vermeiden. Für einen guten Materialfluss zum Raffer setzt Massey Ferguson auf einen kleinen Durchmesser der Pickup.
Zwei Schnecken mit je 28 cm Durchmesser fördern das Material zur Mitte. Dank mittig unter der Maschine montierter Pickup ist die 1840 mit 2,60 m Transportbreite schön schmal. Weiterer Vorteil: Vor Arbeitsbeginn muss sie nicht erst in Arbeitsstellung geschwenkt werden. Einziger Nachteil: Die Sicht auf die Pickup ist bei der Arbeit geringfügig schlechter als bei den Quer-/Längsfluss-Pressen.
Inline
Von der Pickup wird das Material durch den Raffer mit vier Zinken in gerader Linie nach oben in die Vorpresskammer gefördert — es muss also nicht wie bei herkömmlichen Hochdruckpressen zweimal umgelenkt werden. Insgesamt ähnelt das Herz der Presse dem Aufbau großer Quaderballenpressen.
Bei jedem zweiten Hub wird das Material durch die Raffer in die Presskammer gefördert. Schönes Detail: Über eine Klappe ist der Förderkanal von hinten gut zugänglich, um Verstopfungen zu beseitigen. In der Presskammer wird das Material mit 100 Kolbenhüben pro Minute verdichtet. Der achtfach gelagerte Kolben legt dabei einen Hubweg von 55 cm zurück.
Als Leistungsbedarf gibt Massey Ferguson mindestens 37 kW/50 PS an — für hohe Leistungen darf es aber gerne auch mehr sein. Wir haben die 1840 mit einem Schlüter Super 1250 V mit 84 kW/115 PS eingesetzt, der vor der Presse noch ordentlich Leistungsreserven mitbrachte.
Die Massey Ferguson 1840 arbeitet mit zwei Rasspe-Einfachknotern — in Zukunft soll ein optionaler Schnipsel-Sauger die Garnreste während des Knotvorgangs absaugen. Serienmäßig eingebaut ist das elektrische Knotergebläse mit automatischer Reversierfunktion, welches Luft von vorne durch die Knoterhaube bläst und so Störungen durch Verschmutzungen vermeiden soll. Apropos Garn: In zwei stabilen Kästen rechts und links lassen sich je fünf Rollen Garn mitführen.
Die Ballenlänge lässt sich zwischen 65 und 130 cm variabel einstellen. Optional kann die Presse mit einer hydraulischen Pressdichteverstellung ausgestattet werden: Eine in den Kraftfluss integrierte Hydraulikpumpe samt kleinem Hydraulikölbehälter sorgt für den Dauerdruck. Über einen Druckregler auf der rechten Maschinenseite kann der Druck im Zylinder manuell angepasst werden. Zusätzlich lässt sich der Pressdruck durch seitlich in den Kanal schwenkbare Klappen und schraubbare Rückhalteleisten anpassen.
Die Presse kommt dank eines Eigengewichts von 1 588 kg ohne Bremse aus.
Eine Ballenschleuder ist ab Werk nicht erhältlich — in Deutschland dürfen keine neuen Schleudern mehr in den Verkehr gebracht werden.
Die Knoter sind mit Schmierleitungen und einer Schmierbank für die insgesamt 12 Schmiernippel versehen — optional auch mit einer fest montierten Fettpresse.
Der Listenpreis startet bei 38 530 Euro ohne MwSt. in der Grundausstattung.
Geradliniger Kraft- und Materialfluss — das zeichnet die Hochdruckpresse 1840 von Massey Ferguson aus. Die Maschine lässt sich komfortabel bedienen und stellt geringe Anforderungen an den Schlepper.
Bei unserem Einsatz in trockenem Stroh stieß die Kleine mit dem großen Herz Ballen im Sekundentakt aus — da ist die nachfolgende Logistik die größere Herausforderung. Übrigens: Inzwischen wird die Presse nicht mehr in Hesston (USA) gebaut, sondern kommt aus dem chinesischen Agco-Werk Changzhou.